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Pressemitteilung 073-2019: Bayerischer P-Seminar-Preis 2019 geht ans Meranier-Gymnasium Lichtenfels


Kultusministerium zeichnet P-Seminar „13 Führerscheine - Dreizehn jüdische Schicksale“ aus - Landrat Christian Meißner: Anerkennung für ein großartiges Projekt, das inzwischen international Aufmerksamkeit auf sich zieht

LICHTENFELS. „Wir sind unglaublich stolz auf diese jungen Leute aus unserem Landkreis. Ich gratuliere den Schülerinnen und Schülern des P-Seminars 2pg des Meranier-Gymnasiums Lichtenfels mit Studiendirektor Manfred Brösamle-Lambrecht ganz herzlich zum bayerischen P-Seminar-Preis 2019! Damit wird von höchster Ebene eine herausragende und beispielhafte Leistung anerkannt“, freute sich Landrat Christian Meißner am heutigen Montag anlässlich der Preisverleihung im bayerischen Kultusministerium in München für das Projekt „13 Führerscheine – Dreizehn jüdische Schicksale“ im Leitfach Geschichte.

„Das Ergebnis des P-Seminars 2pg des Meranier Gymnasiums ist eine herausragende Spurensuche, die inzwischen auch international Anerkennung erfahren und Menschen auf mehrerer Kontinenten bewegt und freundschaftlich verbunden hat“, betont der Landrat weiter. Das Projekt ist auf seine Idee hin entstanden.

Kultusminister Michael Piazolo betonte bei der Preisverleihung: „Die P-Seminare geben unseren Gymnasiasten einen praxisnahen Einblick in die vielseitige Berufs- und Studienwelt. In enger Zusammenarbeit mit der Wirtschaft erwerben die Schülerinnen und Schüler dabei zentrale fachliche und soziale Kompetenzen, die für ihre persönliche und berufliche Zukunft wichtig sind – sei es im Studium oder bei einer Berufsausbildung.“ Piazolo gratulierte den Siegerteams zu ihrem Erfolg: „Ihr habt mit Innovation, Teamgeist und Zielstrebigkeit beeindruckende Projekte auf die Beine gestellt. Das ist eine herausragende Leistung, auf die ihr stolz sein könnt!“

Dr. Charlotte Knobloch, Präsidentin der israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern würdigte die Preisträger mit folgenden Worten: „Die Leistungen aller vier Preisträger haben mich tief beeindruckt und sind dieser Auszeichnung mehr als wert. Besonders angesprochen hat mich jedoch das Projekt „13 Führerscheine – 13 jüdische Schicksale“ des Meranier-Gymnasiums in Lichtenfels. Dieses P-Seminar zeigt, dass Erinnerung ein leeres Wort bleibt, wenn der Einzelne keinen persönlichen Bezug dazu herstellen kann: Die intensive Recherchearbeit, aber auch der tiefe Respekt der Lichtenfelser Schüler vor den Menschen, mit deren Schicksalen sie sich beschäftigten, machen das Seminar aus meiner Sicht zu einem von mehreren hochverdienten Preisträgern und überdies zu einem Vorbild für nachhaltige Erinnerungsarbeit in ganz Deutschland. Meine aufrichtige Gratulation an alle Preisträger.“

„Dieses Projekt hat uns alle tief bewegt“, stellt Seminarleiter Manfred Brösamle-Lambrecht fest. „Ich freue mich natürlich sehr über die Wertschätzung unserer Arbeit, vor allem für meine Schülerinnen und Schüler, die wirklich Außergewöhnliches geleistet haben. Stolz bin ich darauf, dass wir ein wenig dazu beitragen konnten, dass unsere Region ihre Geschichte nicht vergisst.“

„Wir haben Menschen berührt und ihnen ein kleines Stück ihrer Familiengeschichte wiedergegeben – und sind dabei selber ein Teil ihrer Familie geworden“, resümiert Kurssprecherin Francesca Schütz. „Wir haben bewirkt, dass sich Menschen an das erinnern, was niemals vergessen werden darf, und ich glaube, damit haben wir schon viel erreicht. Jeder von uns hat sich durch dieses Seminar ein Stück weiterentwickelt, verändert, zum Positiven: Wir haben zu jedem der Führerscheinbesitzer eine persönliche Bindung. Das ist eine Erinnerung, die wir im Herzen behalten werden.“

Kurssprecherin Sophie Rauh ergänzt: „Wie sich das Seminar entwickelt hat, konnte sich niemand vorstellen. Mich hat ‚meine‘ Person, Leo Wolf, immer mehr in ihren Bann gezogen. Bei allem Schrecklichen, das wir herausfanden, freue ich mich immer wieder über das ehrliche Interesse der Leute, die uns zuhören und sich das Geschehene bewusst machen.

Der Schulleiter des Meranier-Gymnasiums, Oberstudiendirektor Stefan Völker meint: „Geschichtliche Themen haben im schulischen Kontext immer neben der Durchdringung geschehener Ereignisse einen Gegenwarts- und Zukunftsaspekt. Diese beiden Blickrichtungen erfasste das P-Seminar '13 jüdische Schicksale - 13 Führerscheine' in gekonnter Weise: Es setzte sich mit jüdischen Schicksalen in unserer Heimat auseinander und verband es mit den Nachfahren dieser Führerscheinbesitzer. Dabei umfasste es netzwerkartig viele weitere Themenfelder: Heimat, Zweiter Weltkrieg, Nationalsozialismus, Judentum, Antisemitismus, Ausgrenzung (damals und heute), Rassismus, Politik und politische Verantwortung, Sozialkunde, Literatur, wissenschaftliche Forschung, Amerika, Israel, Argentinien, englische und weitere Sprachen - also ein umfassendes und gelungenes P-Seminar mit höchstem gymnasialen Anspruch.“

Der Lichtenfelser Landrat Christian Meißner hatte den Anstoß für dieses Projekt-Seminar gegeben. Alles hatte mit einem Zufallsfund im Landratsamt Lichtenfels begonnen: Im Frühjahr 2017 war ein alter brauner Umschlag, der bei Aufräumarbeiten im Rahmen der Digitalisierung aufgetaucht war, auf dem Schreibtisch von Landrat Christian Meißner gelandet. Der Inhalt: 15 Führerscheine, die man dreizehn jüdischen Mitbürgerinnen und Mitbürgern des damaligen Bezirksamtes Lichtenfels 1938 abgenommen hatte - teils bei deren Emigration, teils im Zusammenhang mit den Novemberpogromen.

„Meine Idee war es, dass man diese Führerscheine nicht einfach dem Staatsarchiv zurückgibt, sondern dass wir junge Leute, Abiturienten, bitten, im Rahmen eines P-Seminars zu untersuchen: Wer waren denn eigentlich diese Menschen und welche Schicksale hatten sie?“, erläutert Landrat Christian Meißner. Sein Gedanke: „Wir müssen uns unserer Vergangenheit stellen und die Lokalgeschichte aufarbeiten. Was aus diesen Recherchen der Schülerinnen und Schüler des P-Seminars 2pg am Meranier-Gymnasiums Lichtenfels (MGL) geworden ist, ist einfach großartig: Eine einzigartige Ausstellung, die diese 13 Leben und ihre zum Teil äußerst tragischen Wege dokumentiert. Es geht sehr unter die Haut. Die jungen Leute haben es in einer außergewöhnlichen Spurensuche geschafft, 80 Jahre später den Namen jeweils ein Gesicht zurückgegeben“, so der Landrat. Sein besonderer Dank gilt den Schülerinnen und Schülern mit ihrem Seminarleiter für ihr großes Engagement: „Das ist beispielhaft.“

Die Ausstellung war am 5. November eröffnet worden. Anlässlich dessen waren Nachfahren der ehemaligen Führerscheininhaberinnen und –inhaber aus Nord- und Südamerika nach Lichtenfels gekommen. Inzwischen hat das Projekt nicht nur bundesweit, sondern international großes Interesse bei Schulen, Institutionen und Museen geweckt. Sie wurde ins Englische und ins Spanische übersetzt und ist demnächst in White Plains, New York zu sehen, wo das renommierte Holocaust & Human Rights Education Center sie in ihr Programm aufgenommen hat. In Buenos Aires wird sie voraussichtlich in der Pestalozzi-Schule gezeigt werden. International berichten Medien über die Recherchen der Lichtenfelser Gymnasiasten.

Ludwig Spaenle, Beauftragter für jüdisches Leben und gegen Antisemitismus, hat vorgeschlagen, die Ausstellung im Bayerischen Landtag zu zeigen.


Am 18. Februar war das P-Seminar 2pg im Lichtenfelser Landratsamt als einer von 23 bayerischen und drei oberfränkischen Vorrundensieger ausgezeichnet worden. Aus den 23 bayerischen Vorrundensiegern hat eine Jury aus Vertretern des Staatsministeriums für Unterricht und Kultus, des Staatsinstituts für Schulqualität und Bildungsforschung (ISB), der MB-Dienststellen und der Kooperationspartner (Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft, Bildungswerk der Bayerischen Wirtschaft und Eberhard von Kuenheim Stiftung) die vier überzeugendsten Projekte ausgewählt. Zentrale Kriterien bei der finalen Entscheidung der Jury waren Konzeption, Umsetzung und Ergebnis der P-Seminare. Zudem gingen die Anwendung von Methoden des Projektmanagements und der Teamarbeit sowie die abschließende Präsentation der Arbeitsergebnisse in das Urteil der Jury ein.

Weitere Preisträger sind das Bernhard-Strigel-Gymnasium Memmingen (Seminarthema „Virtuelle Welten – Erstellung eines virtuellen Rundgangs durch Memmingen“- Leitfach Informatik), das Hermann-Staudinger-Gymnasium Erlenbach („bapp – Digitalisierung der Schülerzeitung“ - Leitfach Informatik) und das Anton-Bruckner-Gymnasium Straubing („Alle Wege führen zu MOLL – Akquisition von Nachwuchskräften aus der Region - Leitfach Wirtschaft und Recht). Alle Preisträger erhalten jeweils 500 Euro. Als Zeichen der Anerkennung bekommen die Gymnasien und deren externe Partner zudem die Trophäe „P-Seminar-Preis 2019“ überreicht.

Hintergrund (Quelle Bayerisches Staatsministerium für Unterricht und Kultus)
Die Schülerinnen und Schüler besuchen in der Oberstufe des Gymnasiums ein Projekt-Seminar zur Studien- und Berufsorientierung. Die Zusammenarbeit mit externen Partnern ermöglicht ihnen dabei interessante Einblicke in die Bedingungen und Anforderungen der Arbeitswelt. Mit dem „P-Seminar-Preis“ werden besonders gelungene Projekte geehrt. Die Gymnasien konnten sich bei der jeweils zuständigen Dienststelle der Ministerialbeauftragten für die Auszeichnung bewerben.

Der „P-Seminar-Preis“ wird jährlich gemeinsam vom Bayerischen Kultusministerium und den drei Kooperationspartnern, der vbw – Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft e. V., dem Bildungswerk der Bayerischen Wirtschaft e. V. (bbw) und der Eberhard von Kuenheim Stiftung der BMW AG, ausgeschrieben.

Bei der Auswahl der Preisträger stehen insbesondere Konzeption, Umsetzung und Ergebnis der P-Seminare im Fokus. Eine wichtige Rolle spielen neben Projektidee, Zielsetzung und Projektplanung auch die Kontakte zu außerschulischen Partnern sowie die Berücksichtigung der Studien- und Berufsorientierung. Darüber hinaus fließen die Anwendung von Methoden des Projektmanagements und der Teamarbeit sowie die abschließende Präsentation der Arbeitsergebnisse in die Bewertung mit ein.

 

073 - 2019_03_25_PM P-Seminarpreis MGL

Bei der Preisverleohung im Kultusministerium: stehend v.r. Projektleiter Meranier-Gymnasium Manfred Brösamle-Lamprecht; Dr. Charlotte Knobloch, (Präsidentin der israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern); Schulleiter Stefan Völker (Meranier-Gymnasium Lichtenfels); Landrat Christian Meißner (Landkreis Lichtenfels); in der Mitte: die Schülerinnen und Schüler des P-Seminars; stehend v.l.: Ludwig Spaenle; Kultusminister Michael Piazolo. Foto: Landratsamt Lichtenfels/Heidi Bauer

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