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Pressemitteilung 218: Der mit der Dechsel beilt


Nach keltischem Vorbild: Forstwirt Klaus Schmidt bearbeitet die Eichenstämme für das Zangentor am Staffelberg – Bayerische Staatsforsten stellen Holz aus heimischen Wäldern zur Verfügung

LICHTENFELS/BAD STAFFELSTEIN: Ein Klopfen unterbricht im 20-Sekunden-Takt das fröhliche Vogelgezwitscher im Geutenreuther Forst. Kraftvolle Schläge sind es, die dumpf auf Holz treffen. Präzise, schwungvoll und beharrlich hämmert Klaus Schmidt mit dem Beil auf den zehn Meter langen Eichenstamm ein. Will er den tatsächlich ganz allein nur mit der Hand zum Balken behauen?  „Ja“, sagt der Forstwirt und beschwichtigt: „Das ist gar nicht so schlimm, wie es aussieht. Man braucht nur einen Willen, zwei Hände, eine Schnur, zwei Äxte und ein bisschen Zeit.“

Darum hat er auch seine Arbeitszeit beim Forstbetrieb Rothenkirchen in diesem Sommer verkürzt: Bis zum Herbst will er in seiner Freizeit das Holz, das für die Rekonstruktion des keltischen Zangentores am Staffelberg verbaut wird, von Hand behauen – wie einst die Kelten. Rund 40 Kubikmeter Schnittholz werden das wohl alles in allem sein. Wie viel genau – das wird sich erst im Lauf der Ausgrabungen herausstellen, wenn sich genauer sagen lässt, wie die Konstruktion einmal beschaffen war.

Ein ehrgeiziges Projekt, aber: „Das ist eine einmalige Chance, so etwas zu machen,“ findet Schmidt. Seit langem befasst sich der gelernte Schreiner mit alten Handwerkstechniken, „und wenn bei uns vor der Haustür so ein Projekt ins Leben gerufen wird, lasse ich mir das natürlich nicht entgehen!“, betont er.

„Ein Glücksfall für den
Landkreis und das Keltenprojekt“

Zitat Landrat Christian Meißner

„Ein Glücksfall für den Landkreis und das Keltenprojekt“, freut sich Landrat Christian Meißner gemeinsam mit dem Leiter der archäologischen Grabung, Dr. Markus Schußmann, der die Arbeiten des Forstwirts wissenschaftlich begleitet. Unterstützung gibt es auch seitens der Bayerischen Staatsforsten und des Leiters des Forstbetriebs Rothenkirchen, Peter Hagemann, der wiederum auch Chef von Klaus Schmidt ist.

Hagemann begeistert das Engagement seines Mitarbeiters und so hat er dessen Wunsch auf Verkürzung der Arbeitszeit gern entsprochen. Aber mehr noch: „Eine der nachhaltigen Leistungen des Waldes ist die Erhaltung historischer Zivilisationsspuren. Aus dieser Verantwortung heraus stellen die Bayerischen Staatsforsten das Holz für das Keltentor aus den Forstrevieren Klosterlangheim, Lichtenfels und Weismain bereit“, lässt der Leiter des Forstbetriebs wissen.

Im August geht es richtig los. Regelmäßig tauscht sich Klaus Schmidt mit dem Archäologen Dr. Schußmann aus. Das Querbeil hat der 50-jährige nach Zeichnungen von keltischen Werkzeugen mehr oder weniger selbst gefertigt. Ein ähnliches wurde bei früheren Ausgrabungen am Staffelberg gefunden, berichtet Grabungsleiter Dr. Schußmann. Er erläutert, dass die Kelten zwar schon Sägen aus Metall fertigten – allerdings nur etwa in Größen, die nicht zum Längsschneiden von Stammholz geeignet waren. Deswegen nutzen sie auch für die Bearbeitung von Stämmen Beile, Äxte und Dechsel.

Einen Einblick, wie das geht, geben Dr. Schußmann und Klaus Schmidt bei den Vorführungen beim Altstadtfest Bad Staffelstein.

 

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Anstrengend und authentisch: Präzise, schwungvoll und beharrlich schlägt Forstwirt Klaus Schmidt mit der Dechsel auf den zehn Meter langen Eichenstamm ein. Wie vor mehr als 2000 Jahren bearbeitet er das Holz für das Zangentor am Staffelberg. Das Querbeil hat er sich nach Zeichnungen von keltischen Werkzeugen mehr oder weniger selbst gefertigt.
Foto: Landratsamt Lichtenfels/Heidi Bauer

 

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Die Kelten waren geschickte Handwerker, erläutert Projektleiter Dr. Markus Schußmann. Rund 200 verschiedene Werkzeugtypen sind ihm zufolge aus spätkeltischer Zeit belegt. Die Dechsel ist ein quer zum Stiel geschäftetes Beil, erklärt er. Bei früheren Ausgrabungen wurde ein ähnliches bereits am Staffelberg gefunden. Foto: Landratsamt Lichtenfels/Heidi Bauer

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