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Pressemitteilung 193: "Politik muss den richtigen Rahmen für die Rente setzen"


DRV-Präsidentin Gundula Roßbach sprach über die Herausforderungen der Zukunft - Eintrag ins Goldene Buch des Landkreises

LICHTENFELS. „Die Politik muss den richtigen Rahmen für die Rentenversicherung setzen“, weitere Anpassungen seien für die Zukunftssicherheit der Rente unabdingbar, forderte Gundula Roßbach in einem engagierten Referat am Dienstagabend im Landratsamt Lichtenfels. Die Präsidentin der Deutschen Rentenversicherung (DRV) Bund sprach vor einem interessierten Publikum, darunter zahlreiche Kreisräte, Unternehmer und Vertreter von Institutionen und Verbänden beim Forum „Zukunft Landkreis Lichtenfels“ darüber, wie zukunftsfest die gesetzliche Rente ist. Dabei erläuterte sie auch weniger bekannte Fakten.

Der Landkreis Lichtenfels ist Gundula Roßbach hingegen seit langem gut bekannt und vertraut: Denn vor der Übernahme ihres jetzigen Amtes war die DRV-Präsidentin als Geschäftsführerin und Erste Direktorin der DRV Berlin-Brandenburg für die Reha-Klinik Lautergrund in Schwabthal zuständig und hat diese auch mit geprägt, wie Landrat Christian Meißner in seiner Begrüßung erläuterte. Jetzt bekleide sie ein Amt mit enormer Verantwortung: „Wir haben immer gerne starke Frauen hier“, unterstrich Meißner verbunden mit der Bitte um einen weiteren Eintrag ins Goldene Buch.

Das Thema Rente sei vielschichtig und gehe jeden an, stellte der Landrat fest. Im Augenblick stehe die Rentenversicherung gut da, bilanzierte Präsidentin Roßbach. Gleichwohl stünde sie mit dem demographischen Wandel und der Digitalisierung vor großen Herausforderungen um die Zukunftsfestigkeit zu garantieren. 2017 verzeichnete die Rentenversicherung Einnahmen in Höhe von rund 294 Milliarden Euro – zu fast 70 Prozent Pflichtbeiträge und gut 23 Prozent Bundeszuschüsse. Doch: „Das Geld ist schnell ausgegeben“, stellte Roßbach fest. 2017 habe es mehr als 1,6 Millionen Rentenneuanträge und mehr als zwei Millionen Reha-Anträge gegeben. Fast 87 Prozent der Rentenversicherung wurden für die Finanzierung von Rentenzahlungen – Alters-, Erwerbsminderungs- und Hinterbliebenenrenten – verwendet.

Besonders hervor hob Roßbach, dass der Beitragssatz aktuell gut neun Prozent niedriger sei als Anfang der 1990-er Jahre: „Konkret bedeutet das: Ein Durchschnittsverdiener und sein Arbeitgeber zahlen heute jeweils gut 320 Euro im Jahr weniger Beitrag an die Rentenversicherung, als wenn der damalige Beitragssatz auch heute gelten würde“, rechnete die DRV-Präsidentin.

Aufgrund der relativ hohen Rentenanpassung 2012 und trotz des deutlich geringeren Beitragssatzes seien die Renten der gesetzlichen Rentenversicherung in den vergangenen zehn Jahren deutlich gestiegen. Jedoch weniger als die Bruttolöhne, was wiederum bedeute, dass das Rentenniveau sinke und die Schere auseinander gehe. „Darüber muss man sich Gedanken machen“, forderte die DRV-Präsidentin.

Etwa ein Viertel der Altersrentner geht mit Abschlägen und im Durchschnitt etwa zwei Jahre vorzeitig in Rente. Das durchschnittliche Rentenzugangsalter sei dennoch seit 2000 um rund zwei Jahre gestiegen. Die Beobachtung zeige: „Menschen gehen dann in Rente, wenn sie es sich leisten können“, stellte Roßbach fest.

Als Einflussfaktoren für das individuelle Altersarmutsrisiko nannte Roßbach fehlende oder selbständige Erwerbsarbeit, Invalidität, Langzeit-Arbeitslosigkeit und Grundsicherungsbezug vor dem Rentenalter. Rund 60 Prozent der Grundsicherungsbezieher weisen weniger als 20 Erwerbsjahre auf, der Anteil der Grundsicherungsbezieher unter den (zuletzt) Selbständigen sei doppelt so hoch wie unter den (zuletzt) abhängigen. „Wie wollen wir die absichern?“, sei eine der zentralen Fragen, die die Politik lösen müsse, verlangte Roßbach.

Die aktuellen Vorausberechnungen zur Beitragssatzentwicklung kommen zu dem Ergebnis, dass der Beitragssatz – bei Beibehaltung des derzeit geltenden Rechts - im Jahr 2020 bei 18,5 Prozent und 2030 bei 21,6 Prozent liegen wird. Die bisherigen Schätzungen zur Entwicklung von Beitragssatz und Rentenniveau seien aber allenfalls dann aufrecht zu erhalten, wenn diese Mehrausgaben durch die im Koalitionsvertrag festgelegten Maßnahmen zur Rente aus Steuermitteln finanziert werden.

Mütterrente II, Erwerbsminderungsrente, Haltelinien bis 2025 und die Entlastung von Geringverdienern sollen Gegenstand eines „Rentenpaketes I“ sein, für das noch vor der Sommerpause ein Gesetzentwurf vorgelegt werden soll, informierte die DRV-Präsidentin. Grundrente und Absicherung der Selbständigen sollen dann im kommenden Jahr ins Gesetzgebungsverfahren eingebracht werden. „Für die Zeit nach 2025 bzw. 2030 sind weitere Anpassungsmaßnahmen erforderlich, damit die Alterssicherung auch unter den sich weiter ändernden Bedingungen zukunftsfest bleibt. Es wird Aufgabe der Rentenkommission sein, entsprechende Vorschläge zu entwickeln und abzustimmen“, lautete das Fazit der DRV-Präsidentin in ihrem Vortrag, dem sich eine lebhafte Diskussion anschloss.

Den Schlusspunkt setzte der Eintrag von Gundula Roßbach ins Goldene Buch des Landkreises Lichtenfels: „Dem Landkreis wünsche ich alles Gute und weiterhin eine erfreuliche wirtschaftliche Entwicklung“, schrieb sie. Am 19. August 2013 hatte sie schon einmal als Geschäftsführerin und Erste Direktorin der Deutschen Rentenversicherung Berlin-Brandenburg signiert.

 

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„Dem Landkreis wünsche ich alles Gute und weiterhin eine erfreuliche wirtschaftliche Entwicklung“: Die Präsidentin der Deutschen Rentenversicherung Bund, Gundula Roßbach, trug sich am Dienstagabend nach einem engagierten Vortrag über die Rente bei Landrat Christian Meißner ins Goldenen Buch des Landkreises Lichtenfels ein. Foto: Landratsamt Lichtenfels/Heidi Bauer

 

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Zum Thema "Zukunftsfestigkeit der Rente" sprach Gundula Roßbach beim Forum "Zukunft Landkreis Lichtenfels" vor einem interessierten Publikum, darunter zahlreiche Kreisräte, Unternehmer und Vertreter von Institutionen und Verbänden. Foto: Landratsamt Lichtenfels/Heidi Bauer

 

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